Minderheit

Wenn man sagt, man ist Jude, dann haben Leute eine Vorstellung davon, was das zu sein hat. Eigentlich ist das übergriffig, dass fremde Menschen der Meinung sind, meine Identität definieren zu können – oder zu müssen.
Anne Goldenbogen

Juden stellen in Berlin und Deutschland eine Minderheit dar. Zirka 200.000 Juden leben heute in Deutschland, also 0,24 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Nicht Teil der deutschen Gesellschaft zu sein, als „anders“ wahrgenommen zu werden, aber auch Antisemitismus, Diskriminierung und sogar Gewalt prägen die Erfahrungen mancher Jüdinnen und Juden. Aber nicht nur jüdisch zu sein, auch die politische Einstellung, sexuelle Orientierung oder das Verhältnis zum jüdischen Staat Israel, sind weitere Aspekte der eigenen Identität. Ebenso stellt sich die Frage, ob und wie sich das eigene Leben selbstbestimmt gestalten lässt. Inwieweit kann man demnach als Minderheit seinen Traditionen und Gebräuchen nachgehen, in einer Gesellschaft, die nicht immer Rücksicht darauf nehmen kann oder will?

Mischpoke | Familie

Meine mittlere Schwester hat es nicht verstanden, dass ich in das Land der Täter zurückging.
Salomea Genin

Mischpoke (Familie) ist ein Begriff, den der Berliner Dialekt aus dem Jiddischen, der Sprache der osteuropäischen Juden, übernommen hat.

Wie in dem Witz, in dem ein Nichtjude einen Juden fragt, ob Mischpoke was zum Essen sei und dieser antwortet: ‚Nein, zum Kotzen!‘ wird der Begriff oft abwertend verwendet. Viele Jüdinnen und Juden blicken hingegen mit Stolz und Liebe auf die eigene Familie, ihre Herkunft und Geschichte. Die Familie drückt die eigene Identität am stärksten aus: Wo und wie bin ich aufgewachsen? Wie haben mich meine Eltern erzogen? In welcher Sprache habe ich die Welt kennengelernt? Die Erinnerungen an diese frühe Prägung begleiten uns oft ein Leben lang. Sie wirken sich darauf aus, wie wir unser weiteres Leben gestalten, was uns wichtig ist, was uns Angst macht und woraus wir unsere Hoffnung schöpfen.